Glossar Dialog

Von A wie "Anzahl der Sprechenden" bis Z wie "Zwischenraum im Dialog"

Anzahl der Sprechenden

Ursprünglich ist mit Dialog der Austausch von Worten und den Leerstellen zwischen den Worten gemeint, ohne dass die Zahl der Sprechenden spezifiziert ist. Ein Dialog ist also kein Zwiegespräch, wie mancherorts angenommen wird. (vergleiche δίς dís "zweimal, zweifach" während διά diá "zwischen, dazwischen" bedeutet). Die abgeleiteten Begriffe: Monolog, Trialog und Polylog stehen für einen, drei und mehr Sprecher:innen. Der Monolog im eigentlichen Sinne ist ein Gespräch mit sich selbst oder ein gedachtes Gegenüber.

Dialogische Kultur bzw. Dialogische Führung

Die Begriffe beziehen sich auf ein im Friedrich von Hardenberg Institut für Kulturwissenschaften in Heidelberg entwickeltes Prinzip der Zusammenarbeit. In der Dialogischen Kultur arbeiten Menschen mit der Intention, Formen einer effektiven Zusammenarbeit zu entwickeln, in der sich Einzelne selbst befähigen, eigenständig im Sinne des Ganzen zu handeln. Initiative und Selbstverantwortung stehen dabei im Vordergrund, während rein hierarchische Führungsformen den Anforderungen einer VUKA-Welt (Volatilität, Unsicherheit, Komplexität, Ambiguität) nicht mehr gerecht werden. Das zugrundeliegende Dialogverständnis orientiert sich an dem, was Sokrates als Dialog angeregt hat.

Dialog nach Bohm - Bohm'scher Dialog

Der Physiker David Bohm wandte sich Fragen nach dem Bewusstsein des Menschen und der Natur zwischenmenschlicher Verständigung zu. Daraus entstand der sogenannte Bohmsche Dialog. Im Austauch mit Jiddu Krishnamurti, der von vollständiger "geistiger" Freiheit ausging, entwickelte Bohm einen dialogischen Ansatz, in dem der Mensch durch aufmerksame Beobachtung des eigenen Geistes und dessen Reaktionen im Moment der Transformation zu seinem Inneren gelangen und Konditionierung durch Traditionen und Vorurteile beenden könne.

Der Dialog nach Bohm ist geprägt von einer Intensivierung von Gesprächen, wodurch Gefühle, Wertungen, Vorannahmen ins Bewusstsein gelangen, die das Denken und Handeln des Individuums lenken. Dadurch können Erfahrungs- und Lebensgeschichten miteinander erkundet werden und es entsteht ein tieferes Verstehen der Dialogpartner:innen untereinander, genauso wie des besprochenen Sachzusammenhangs und der eigenen inneren Prozesse. Dialog ist damit eine Möglichkeit, Standpunkte und Haltungen zu verändern. Für Bohm ist Dialog damit nicht nur eine Form von Kommunikation, sondern ein Weg zu einer grundlegenden Transformation von Individuem und Kollektiven.

Dialogbegleiter:in


Dialogisches Prinzip

Der Begriff wurde vom Religionsphilosophen und Theologen Martin Mordechai Buber (1878-1965) geprägt. Er versteht darunter einen Teilbestand sozialen Handelns, welcher sich in der Rede und Bezugnahme zweier Menschen zueinander manifestiert. Er beschreibt, wie sich individuelle Bewußtheit in der Begegnung mit anderen Menschen und der materiellen Welt realisiert, in der "ICH-DU-Beziehung", also im Kontaktvollzug von Person-Umwelt-Einheit. Erst darin gestaltet sich die ganze Person, das Selbst, und nur über diese Begegnung finden persönliches Wachstum und Entwicklung statt, so Buber. 

Seine philosophischen Überlegungen bringt Martin Buber in seinem Hauptwerk "Ich und Du" zum Ausdruck, verknüft Dialog dabei eng mit seinem jüdischen Glauben und beschreibt das Verhältnis der Menschen zu Gott und seinen Mitmenschen. Das Dialogische Prinzip wird auch als das Prinzip des Menschen mit dem Menschen, als wechselseitige Begegnung zwischen ICH und DU bezeichnet.

Diskurs

Der Begriff stammt vom Lateinischen discursus, was in etwa "Umherlaufen" meint. Umgangssprachlich wird der Begriff vielseitig verwendet, z.B. für Debatten, Diskussionen oder Thematisierungen jedweder Art. Der Begriff hat jedoch einen erkenntnistheoretischen Ausgangspunkt ist eng verwoben mit theoretischen Perspektiven, die dem Poststrukturalismus und Konstruktivismus zugeordnet werden. Dabei sind vor allem die Überlegungen von Ferdinand de Saussure und Michel Foucault interessant.

Sprache ist in der Diskursforschung seitdem nicht mehr nur Abbild der Wirklichkeit, sondern ist in einem sehr weiten Sinn alles, was sich irgendwie als Zeichen deuten lässt, mit Begriffen (Signifikanten) und ihren Bedeutungen (Signifikaten). Das Wissen des Menschen über sich und die Welt ist damit nicht einfach aus objektiven Tatsachen gespeist., sondern hat einen veränderlichen Deutungsbezug. Wenn also alles erkenntnistheoretisch konstruiert ist, dann ist gewissermaßen auch alles irgendwie Diskurs.

Niklas Luhmann spricht beim Diskurs von einer "Beobachtung zweiter Ordnung", der Beobachtung des Beobachtenden mit einer Analyse davon wie diese ihre Beobachtungen oder Beschreibungen anstellen. Nach Luhmann bestimmen die Möglichkeiten des Sagbaren die Aussage, nicht Intelligenz oder Bedeutung des sprechenden Subjekts.

Interreligiöser Dialog

Begegnungen und Austausch zwischen Menschen verschiedener Religionen mit dem Ziel, einen Beitrag zu einem besseren Verständnis zwischen den Religionen zu leisten, werden als Interreligiöser Dialog bezeichnet.

Selbsterforschung


Sokratischer Dialog


Way of Council

Die "Ratsversammlung" oder kurz "Rat" ist eine nicht-hierarchische, gewaltfreie und wertschätzende Form der Kommunikation, bei der das Zuhören im Mittelpunkt steht. Sie ist ein wirkungsvolles Instrument für den Aufbau einer nachhaltigen Gemeinschaftskultur und von Beziehungen. Die Teilnehmer sitzen in einem Kreis um ein Zentrum und benutzen einen Sprechgegenstand, um anzuzeigen, wer spricht. Way of Council ist Ausdruck einer Haltung, die zu Präsenz und Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst, mit anderen und mit der Umwelt einlädt und bietet Teams und Gruppen aller Art ein hochwirksames Mittel, um ihre Prozesse nachhaltig zu gestalten.

"Zu Rate sitzen" ist eine tausende Jahre kultureller Erfahrung. In seiner heutigen Form wurde Way of Council von der Ojai Foundation in Kalifornien entwickelt, um Dialog in Kreisen für unterschiedlichste Anwendungen zugänglich zu machen.Es gelten die folgenden Leitlinien: Sei präsent; Spreche von Herzen; Höre mit dem Herzen hin; Sei spontan; Fasse dich kurz; Sprich aus, was Dir, dem Kreis und dem großen Ganzen dient; Erzähle von dir selbst, nicht von etwas oder jemandem; Vertraulichkeit: Was im Kreis gesagt wird, bleibt im Kreis."

Wortherkunft

Der Begriff Dialog bedeutet sinngemäß ungefähr διά-λογος diá-logos "Fließen von Worten". Er kommt aus dem altgriechischen Substantiv διάλογος diálogos "Unterredung, Gespräch", abgeleitet von dem altgriechischen Verb διαλογίζομαι dialogísomai "sich unterreden, meditieren". Dieses wiederum lässt sich zurückführen auf die griechischen Wortwurzeln διά diá- [hin-]durch und λέγειν légein "erzählen, reden, sprechen" beziehungsweise deren Ableitung λόγος lógos "Wort, Rede".

Zwischenraum

Den Begriff "Zwischenraum"nutzen wir im Dialogkontext. Wir setzen ihn gleich mit Akasha (skrt. आकाश ākāśa, von kash "leuchten, strahlen, glänzen, sichtbar sein"), das nach alter indischer Anschauung soviel wie Himmel, Äther oder Raum bedeutet. In der hinduistischen Philosophie bezeichnet Akasha (Äther) neben Prithivi (Erde), Vata (Luft), Agni (Feuer) und Ap (Wasser) eines der fünf Elemente. Auch im Buddhismus findet sich ākāsa als Bezeichnung für den begrenzten Raum (ākāsa-dhātu) oder unbegrenzten Raum (ajatākāsa). Der Zwischenraum ist als feinstoffliche Substanz, wahrnehmbar im Raum zwischen allem, also zwischen Menschen, Gedanken, Gefühlen, Worten, auch zwischen Geist/ Gott und Mensch. Was immer wir glauben, die Wahrnehmung von Zwischenräumen spielt eine wichtige Rolle im Dialog, in interreligiösen genauso wie in Business-Dialogen. Erste wissenschaftliche Untersuchungen versuchen Erklärungen zu finden für das was auch in Dialogen subtil erspürt oder kausal erfahren werden kann.

 

Hinweis: das Glossar wird gerade um weitere Begriffe ergänzt.

 

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